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Dieck – damals vor 1945 und heute


Hinweis: Nur in der Galerie können Fotos und Grafiken durch 2-maliges Anklicken vergrößert werden! 



Kolorierte Grußkarte aus Dieck von 1924 zeigt das Gutshaus und die Gastwirtschaft Lüpke, später Kasulke


Dorfchronik 
Dieck soll um 1560 von einem Herrn Schulte als Bauerndorf zwischen Rehmerow- und Diecksee gegründet worden sein; die Namensgebung soll auf das altnordische Diek = Teich/See zurückzuführen sein. Bereits 30 Jahre nach der Gründung hatten sich dort 14 Bauern und 8 Kossäten (Häusler/Tagelöhner) angesiedelt. Lange Zeit stagnierte die Anzahl der bäuerlichen Betriebe und damit verbunden auch die Einwohnerzahl. Erst zum Ausgang der 19. Jh. stieg die Einwohnerzahl auf 125 und 1939 auf über 200-225 bis Kriegsende (Quelle: Dieck-GenWiki); genauere Angaben gibt es nicht, mal werden die Kriegsgefangenen und „Ausgebombten“ mitgezählt, mal wieder nicht, an Volkszählungen hat es damals nicht gemangelt.


Anmerkung: Eine ausführliche Dorfchronik über Dieck gibt es wohl nicht; sollte es jemals eine gegeben haben, dann wäre sie wohl in der Schule aufbewahrt worden - doch hier ist alles Anfang März 1945 dem Vandalismus der Russen zum Opfer gefallen, wie der letzte Lehrer Friedrich Lippert in seinem Bericht vom 25. Juli 1950 vermerkt; auf diesen Bericht wird noch weiter unten eingegangen.


Neben den bäuerlichen Betrieben gab es in Dieck jeweils eine Schule, Kirche, Post, Gastwirtschaft, 2 Schmieden, 1 Fischerei sowie ein Gut (eine Schmiede gehörte zum Gut). Über die Schule, die Kirche und das Gut wird noch ausführlich weiter unten berichtet.


Dorfpläne


     
Zwischen beiden Kartographien (li. 1877, re.1933/34) liegen 57 Jahren; man vergleiche beide in Bezug auf die
Dorfentwicklung, die Anzahl der Häuser und die Wegführung - noch besser ist dieses in der Galerie zu erkennen! 


     


Eine von Oskar Wendlandt (Vater des Administrators) 1955 auf  Anforderung der Heimatauskunftsstelle Lübeck handschriftlich gefertigte Aufstellung über Größe und Besitzer der Bauernhöfe und Nebenerwerbsstellen kann im Kreisheimatmuseum in Eutin eingesehen werden – nachstehend eine gekürzte Wiedergabe in der Reihenfolge der Betriebsgrößen in Hektar: 


  • Charlotte/Waldemar Gabain, Gut, 335,0
  • Oskar Wendlandt, Abbau, 49,97
  • Fritz Steffen, Abbau,         45,5
  • Maria Glasenapp, Abbau,  45,0
  • Bruno Nöske, Abbau,          25,0
  • Meta Jordan,                        25,0
  • Otto Gerth,                          20,0
  • Karl Horn,                            18,75
  • Gustav Redmer,                  18,75
  • Arthur Rünger,                     18,75
  • Bernhard Drews,                 18,5
  • Otto Mieske, Abbau,           17,5
  • Edmund Steltner, Bgmst., 17,5
  • Wilhelm Buhse,                    15,0
  • Paul Oldenburg,                   15,0
  • Rudolf Feußner, Abbau,      15,0
  • Paul Dohmke,                        12,5
  • Fritz Buchholz, Post,              8,0
  • Willi Kasulke, Gastwirt,          5,5
  • Ewald Wendlandt, ZiMster,   1,0
  • Gerda Speckmann,                  0,5
  • von Dewitz, Labenz-Mühle, 162,5 (zu Dieck gehörig betrachtet)
    Der Grundbesitz umfasst neben der Ackerfläche auch die Wiesen- und Waldbestände.

In der obigen Aufzeichnung ist vermerkt, dass die Schule ca. 5 ha und die Kirche ca. 10 ha eigenes Land an verschiedene Bauern verpachtet bzw. verkauft hatte. In zurückliegenden Zeiten musste der Lehrer sich selbst versorgen oder er erhielt Deputat – letzter Lehrer: Friedrich „Fritz“ Lippert. Dieck hatte keinen eigenen Pastor, er kam von Wulfflatzke und hatte auch noch Steinforth zu betreuen – letzter Pastor: Walter Lenke. Polizeilich wurde Dieck ebenfalls von Wulfflatzke betreut – letzter Gendarm: PHW Grübnau. Damit sind auch schon gleich die „Respektspersonen“ genannt: Gendarm, Lehrer und Pastor; geachtet wurden auch der Bürgermeister und der Gutsbesitzer, weil letzterer in der Regel hoch zu Ross saß. Natürlich hatte Dieck auch einen Fischer und Jagdpächter, er hatte das größte Areal zu betreuen, nämlich den Dieck- und Rehmerowsee sowie die gesamten Ländereien – es war Herr Mandel.


Da es nur ganz wenige Fotos von Gebäuden und Personen aus der Zeit vor 1945 gibt, werden auf dieser Seite einige, in der Galerie jedoch alle verfügbaren Fotos, einschließlich der Aquarelle von Waldemar Gabain, aufgenommen. 


Schule


 
Schule in Dieck 1968 - fast unverändert wie 1945 - aufgenommen von Karin Krüger, geb. Buchholz,
Tochter des letzten Posthalters Fritz Buchholz in Dieck.


 
                           Familie Lippert - aufgenommen im Schulgarten ca. 1914 - zu sehen sind v. l. 
Johannes *, Mutter Alice, Herbert, Lotte, Vater Friedrich gen. Fritz und Sohn Fritz; 
Johannes (Hans) ist der Vater von Hilde Altmüller, geb. Lippert, die das obige Foto
 
zur Verfügung gestellt hat.
Seit wann es die Dorfschule in Dieck gab, ist nicht überliefert; ob schon kurz nach der Gründung des Dorfes dort Unterricht erteilt wurde, ist ebenfalls nicht bekannt. Es ist aber zu vermuten, dass weit vor 1900 das jetzt noch stehende, fast unveränderte Gebäude existiert haben muß - siehe Klassenfotos. Die Diecker Schule war "einzügig"; acht Jahrgänge wurden fast gleichzeitig von nur einem Lehrer unterrichtet und das ziemlich streng - eine kleine Entzerrung gab es schon: die Klassen 1 und 2 kamen erst, wenn die oberen gegangen waren.
Die nachfolgenden Fotos hat die Mutter von Karin Krüger, geb. Buchholz, die für die Russen in der Schule kochen musste, auf dem Schulhof eingesammelt - die Russen hatten, als sie in Dieck einmarschierten, sämtliche Schulbücher, Jahrgangsunterlagen und Fotos auf den mit Schneematsch bedeckten Schulhof geworfen. Es ist jetzt ein wenig spät, heute danach zu fragen, ob noch irgendwo Unterlagen über die Dorfschule existieren.


                                                     51 Schülerinnen und Schüler zählte der Jahrgang 1901
Der Klassenlehrer, o.r., ist der Vorgänger von Lehrer Fritz Lippert und hieß Schulz 


  
Exakt 51 Schülerinnen und Schüler zählt auch der Jahrgang von 1907
Die Klassenfotos wurden immer am Haupteingang (Straßenseite) der Schule gemacht.
Der Klassenlehrer, o.r., ist Lehrer Friedrich Lippert, s. zum Vergleich Foto im Schulgarten.
Auffallend ist auf beiden Fotos: K
ein Kind zeigt ein fröhliches Gesicht - die beiden Lehrer auch nicht! 


Das Schulgebäude hatte drei Eingänge. Der größere oben rechts war für die Schüler gedacht, der kleinere daneben war stets verschlossen und wurde nur für den Schulrat, den Pastor oder andere hochgestellte Persönlichkeiten geöffnet; der dritte Eingang war auf dem Hinterhof und diente den übrigen Besuchern als Zugang zur Familie des Lehrers - für die Schüler war der Zugang tabu! Auf den Hinterhof durften die Schüler schon, denn dort waren ja die "Herzenhäuschen" für die Notdurft, getrennt für Jungen und Mädchen sowie für die Lehrerfamilie.
Bis 1918 war der jeweilige Pastor Vorgesetzter des Lehrers oder ein königlich preußischer Kreisschulinspektor, ab 1919 kam ein Schulrat zur Inspektion. Am Dachgiebel des Schulgebäudes ist ein christliches Kreuz im Mauerwerk -noch heute - zu sehen, welches darauf hindeutet, dass der Pastor in diesem Haus ein Domizil hatte zum Umkleiden und zum gelegentlichen Wohnen, vor allem im Winter, wenn er nicht nach Wulfflatzke zurück konnte.  


Kirche


 
                              Aquarell der Diecker Kirche von Waldemar Gabain


       
Eine Aufnahme von 1937- gleicher Standort: Die Ruine 1959 als Repro aus einem Buch von M. Turkowski aus Turowo. Übersetzung des polnischen Textes durch Janusz Pulsakowski: "Foto der Ruine der Kirche mit Blick von Südwesten durch einen F. J. Lachowicz von der Denkmalpflege Stettin, Filiale Köslin, im Jahre 1959". Danach wurde die schöne Fachwerkkirche endgültig dem Abbruch geopfert, lediglich ein paar Feldsteine des Fundaments und die Steinschwelle der Eingangstüre sowie alte Grabeinfassungen konnten noch 2009 unter der Überwucherung sichtbar gemacht werden (Fotos weiter unten). Von der Buche, die oben rechts in das Bild hineinragt, steht heute noch ein Torso von ca. 1 Meter Durchmesser; zu sehen ist der mächtige Baum auch noch auf dem Winterfoto der Kirche unten.  
Der langjährige ev. Lagerpfarrer im Durchgangslager Friedland, Johannes Lippert, Sohn des Lehrers Friedrich Lippert in Dieck, hielt in einer Notiz fest, dass die Kirchenglocke von 1575 noch 1938 in der schönen Fachwerkkirche vorhanden war. 
1560 wurde das Dorf angelegt, s. oben; demzufolge kann davon ausgegangen werden, dass die Kirche ca. 15 Jahre nach der Ortsgründung gebaut wurde. In einer weiteren Notiz wird berichtet, dass die Inneneinrichtung um 1650 vom "Vorgängerbau" übernommen wurde; danach könnte die abgebildete Fachwerkkirche ein "Nachbau" sein. Es ist nicht überliefert, ob der Erstbau abgebrannt, zerstört oder nur umgebaut wurde.
1939 wurden viele Kirchenglocken eingezogen, eingeschmolzen und durch kleinere ersetzt; ob es so war, ist nicht verbrieft. Auf jeden Fall existierte noch vor der Zerstörung der Kirche 1959 eine Glocke im Kirchturm, die Jozef Kadlob (Bewohner der ehem. Schule) noch geläutet hat. Wo ist sie geblieben? Wahrscheinlich dort, wo auch die Grabkreuze gelandet sind.
 


     
So sah ein (noch) unbekannter Maler die Kirche       Kirche im Winter - ungeheizt - der Gottesdienst wurde     
von innen; sein Signum ist unten in der rechten                          dann immer in der Schule abgehalten.
Ecke, jedoch nicht lesbar; das Foto stammt aus
dem Heimatkalender von 1926. 
   
   Undatiertes Fotos der Kirche, aber vor 1945.         Ebenfalls undatiert; obwohl unscharf, dennoch historisch,
    Die schöne Feldsteinmauer war 1959 noch              es zeigt einen Pastor in der Eingangstüre, den man "Karl
            vorhanden, nunmehr nicht mehr.                               den Großen" nannte - wer war dieser Pastor?


Eine eigene Chronik über amtierende Pastoren gibt es nicht, da Dieck zum Kirchspiel Wulfflatzke gehörte und die dortigen Seelsorger für Dieck zuständig waren. Obwohl es die Diecker Kirche nicht mehr gibt, existieren mehr alte Fotos, als von der heute noch vorhandenen Kirche in Wulfflatzke - noch!?


Post
Das ehemalige Post- und Wohngebäude der Familie Buchholz war schon beim ersten Besuch des Administrators in Dieck 1988 eines der gepflegtesten Häuser in Dieck; die schöne alte Holz-Veranda ist zwar verschwunden, dennoch ist an der Grundstruktur des Hauses wenig verändert worden. Die Posthalterei wurde 1936 von Arthur Rünger auf Fritz Buchholz übertragen.


        
                   Post- und Wohngebäude der Familie Buchholz um 1920 (li.) und (re.) sah es 1996 so aus.
Die Herren mit dem Fahrrad sind "Chauseekratzer", Straßenarbeiter, die gerade eine Pause einlegen; ganz
rechts ist Opa Buchholz und die Damen in Weiß, Oma Albertine mit Tochter Anna und hinter dem Zaun steht
Emma Buchholz. 


       
      Aufnahme (li.) stammt aus der Zeit um 1930, das nebenstehende Foto mit neuem Dach ist von 2004.
In der Veranda, gleichzeitig Zugang zum Postschalter, steht der Posthalter Fritz Buchholz, im li. Fenster ist
Oma Albertine und im anderen Frieda Buchholz zu sehen. 
  
Hier im Haus der Familie Rünger war die Post vor 1936;
von li.: Arthtur Rünger als Posthalter, meine Mutter
Margarethe, geb. Rünger sowie Oma und Opa Rünger;
Opa Rünger war Dorfschmied, neben Gutsschmied Haß
 


Gut
Das Gut Dieck gehörte früher zum größeren benachbarten Gut Wulfflatzke und war im Besitz der Familie von Bonin, die es um 1850 verkaufte. Innerhalb von ca. 70 Jahren wechselte das Anwesen samt Ländereien 6 oder 7 x den Besitzer; mit dem Verkauf war das Gut aus dem Boninschen Lehen entlassen. 
Ferdinand Schmidt, Großvater der heute noch lebenden Renate Garbers, geb. Gabain, kaufte 1919 das Gut für 875.000 RM, nachdem er seinen Bauernhof bei Stettin verkauft hatte. Sein einziger Sohn fiel im 1. WK, so dass seine Tochter Charlotte Erbin wurde. Frau Charlotte Schmidt erbte das Gut, nachdem ihr Vater an den Folgen der spanischen Grippe gestorben war und heiratete 1920 einen August Friedrich Früchtenicht, der aber wenig von der Landwirtschaft verstand und sich nach Jahren der Misswirtschaft alsbald "aus dem Staube" machte - der Betrieb war heruntergewirtschaftet.
Dann kam Waldemar Gabain auf das Gut als landwirtschaftlicher Verwalter (Gutsinspektor). Er stammte aus einer wohlhabenden Hamburger Kaufmannsfamilie hugenottischen Ursprungs und brachte nicht nur Neigung, sondern auch Erfahrung für einen derartigen Betrieb mit. Darüber hinaus steckte der neue Verwalter sein eigenes geldliches Vermögen in den Betrieb. Von nun an ging es aufwärts.
Mit gemeinsamer Anstrengung gelang es beiden, der Besitzerin und ihrem Verwalter ein florierendes Unternehmen aus dem Betrieb zu machen, indem sie alle Möglichkeiten des Gelderwerbs nutzten, z. B. Vergrößerung des Viehbestandes, Saatkartoffelanbau, Erneuerung des Maschinenparks, die Stallungen wurden umgebaut und dem angestiegen Viehbestand angepaßt, Einstellung weiterer Hilfskräfte, Fleisch- und Fischverkauf, Bewirtung von Feriengästen usw. Das Gut prosperierte in den Folgejahren und wurde zum Wirtschaftfaktor im Ort und genoß damit hohes Ansehen.
1930 heirateten Charlotte und Waldemar - von nun an sprach man vom Gut Gabain.
Eine ältere Aufstellung besagt, dass die gesamte Nutzfläche des Gutes 1.456 Morgen betrug, davon 160 Morgen Wald 50 Morgen Teiche.
Am 30. Januar 1945 verließ die Familie mit einem Treck ihr Anwesen gen Westen. 



                                Foto des Gutshauses zur Hofseite um 1930 - noch fehlt das Rondel


        
 v. r. Waldemar Gabain, Charlotte mit Sohn Hans,              Ursel Gabain mit ihren kletternden Ziegenböcken
daneben eine Bekannte aus Neustettin 


        
                  Aquarelle von Waldemar Gabain zeigen das Gutshaus jeweils zur Hofseite - im Winter 1930 


       
       G
etreideernte mit Selbstbinder und Pferden               1940 - der erste und einzige Lanz Bulldog im Dorf                     


      
                         
Mit 2 PS im Sommer und im Winter - die Hufeisen bekamen dann Stollen


In den "Erinnerungen an meine Kindheit in Pommern" hat Renate Garbers, geb. Gabain alles Wissenswerte über das Gut niedergeschrieben; das Büchlein ist im Kreisheimatmuseum in Eutin ausgelegt. Die Fotos für die Abschnitte "Gut" und "Dorfleben" hat Renate Garbers zur Verfügung gestellt.


            
Wer weiß etwas über die "Diecker Torfahrtscheune",                  Waldemar Gabain als Jäger; lieber ging er mit
wo hat sie gestanden und wem hat sie gehört?                                      Farbe und Pinsel auf "Motivjagd".


Dorfleben und Brauchtum


      
                 Maifeier 1937 am Gutshaus                                                              Erntedankfest 1934
Dieck zählte im Kreis Neustettin mit seinen gut 200 Einwohnern eher zu den kleineren Orten. Das hatte aber auch den Vorteil: Jeder kannte Jeden! Wenn es im Dorf etwas zum Feiern gab, machten alle mit und das nicht nur bei offiziellen Feiern, auch bei privaten Feiern gab es "Zaungäste", die nicht abgewiesen wurden und zu vorgerückter Stunde mitfeierten. Anlässe fanden sich genug, wie Geburtstage, Taufen, Verlobungen und Hochzeiten sowie Jubiläen aller Art.
Manche Feiern - wie oben - waren zu der Zeit von der Politik gesteuert; dennoch boten die Veranstaltungen der Landbevölkerung eine willkommene Abwechslung in ihrem nicht so leichten Arbeitsalltag: Man zog die beste Kleidung an, die Akteure in Trachten, die Hauseingänge und die Hofeinfahrten waren geschmückt - zur Maifeier mit Birkengrün, zum Erntedankfest mit Blumen und Gebinden aus Getreidehalmen. In der Kirche wurde die Erntekrone aufgehängt und Früchte aus Feld und Garten wurden neben dem Altar in Körben dargeboten (geopfert).
Auch die Geselligkeit - man nannte es "Vergnügen" - kam in Dieck nicht zu kurz. Im Gasthof Kasulke gab es Tanzveranstaltungen und in der Schule wurden Filme gezeigt mit der Wochenschau (Propaganda) vorneweg und Heimatfilme als Hauptteil; für uns Kinder gab es Stummfilme der bekannten Art, den Hauptfilm durften wir nicht sehen, dann mußten wir nach Hause.
An Ostern, Pfingsten und Weihnachten wurden auch die sogenannten "Dritten Festtage" zum Ausspannen oder Feiern genutzt, dafür gab es aber in der Zwischenzeit keinen arbeitsfreien Sonnabend und für die Bauern in der Regel auch keinen Sonntag als Ruhetag. 
Einen besonderen Brauch gab es für Kinder zu Ostern: Sie gingen am 1. Ostertag in der Frühe mit kleinen Körben und einer "Stieperute" (Reisig) zu Verwandten oder Nachbarn, während diese noch im Bett lagen, hoben die Bettdecke hoch und forderten mit dem Spruch: "Stiep, stiep, Osterei, gibst du mir kein Osterei, hau ich dir das ganze Hemd entzwei", Süßigkeiten ein. Die Aufgesuchten waren schon immer darauf vorbereitet, warteten im Bett und gaben den Kindern buntbemalte gekochte Hühnereier sowie bunte Zuckereier, letztere waren eher willkommen - zu Hause angekommen, waren die Zuckereier meistens vernascht.
Ein weiterer Brauch zu Ostern war die Sache mit dem "Osterwasser": Man sollte, ohne mit jemand zu sprechen, ganz früh am Ostersonntag an eine Quelle gehen, dort frisches Wasser schöpfen und sich damit das Gesicht abwaschen - es sollte schön machen, auch lästige Sommersprossen sollten verschwinden; dieser Brauch wurde hauptsächlich von Mädchen und jungen Frauen gewählt. Ob es genutzt hat, ist nicht bekannt.
An Heiligabend war der Weihnachtsmann ein "Muß" in fast jedem Haus. Da in den Häusern und Haushalten meist mehrere Generationen wohnten, waren auch immer kleine Kinder zugegen, die ihre Geschenke nur vom Weihnachtsmann erhielten, nachdem sie ein Gedicht oder Lied vorgetragen hatten. Zuvor hatte der Mann mit der Maske und dem Bart noch die "Schandtaten" der Kinder aufgezählt, Ermahnungen ausgesprochen und mit der Rute gedroht; an diesem Zeremoniell nahmen meist alle Bewohner des Hauses teil, auch wenn sie nicht zur Familie gehörten - somit bekamen nicht nur Oma und Opa ihr Geschenk vom Weihnachtsmann, sondern alle Anwesenden. Das anschließende Weihnachtsessen war dann sehr reichhaltig und neben dem Beschenktwerden der Höhepunkt des Heiligen Abend.
Was ist davon heute übriggeblieben?    


         
       Hochzeit Ehepaar Spande              Wer hat hier um 1925 geheiratet?     Goldene Hochzeit Ehepaar Battige
       
                   Kaffeetafel am Rehmerowsee 1925                      Familie Wolckenhaas in Holtdorf, bei der Gabains  
h. Reihe, 3. v. l. Charlotte Früchtenicht, später Gabain,     im Sommer 1945 mit dem Treck Station machten
             direkt davor in der Kinderreihe Ursel 


     
           Badefreuden 1925 am Rehmerowsee                      Eisangeln 1936 auf dem zum Gut gehörenden Diecksee
    
     Kriegerverein in Dieck, zwischen 1930/35                    Meine ersten Schritte in die Arme meiner Mutter,
v. l. mein Onkel, Arthur Rünger, gleich daneben mit                   Margarete Wendlandt, geb. Rünger,  
Hut, mein Vater Oskar Wendlandt, hinter Onkel Arthur             auf unserem Bauernhof in Dieck, Abbau.
der kleine mit Hut, ist Willi Drews; die anderen sind nicht
bekannt, auch nicht, wo sich der Schützenstand befand. 
        
Man posiert für die Damenwelt - mit Zigarette,             "Holde Jugend", war auf der Rückseite vermerkt.
Vorne Fritz Buchholz, oben rechts Otto Redmer,           In der Mitte (stehend) Fritz Buchholz, der spätere
die anderen sind nicht bekannt.                                          Posthalter nach Arthur Rünger.
                                Bitte beim Administrator melden, wenn noch jemand erkannt wird! 


Flucht - Russen - Ausweisung
Ein Bericht des letzten Lehrers in Dieck, Friedrich Lippert, v. 25.7.1950, verkürzt wiedergegeben; blaue Schrift sind Einblendungen des Administrators.
"Am 18.1.45 kam der Befehl: "Fertigmachen zum Treck!" Am Abend des 30.1.45 kam der Befehl zum Abmarsch. Treckführer waren Gutsbesitzer Gabain und Bürgermeister Steltner. Labenz Mühle schloß sich an. Der Weg sollte über Steinforth, Groß Born, Krangen nach Eulenburg führen. Vorher waren schon Trecks aus Ostpreußen und dem Netzegebiet durchs Dorf gezogen; an den Abenden Feuerschein aus Richtung Ratzebuhr, Landeck, Jastrow. Es herrschten Angst und Sorge. Die Männer waren größtenteils an der Front oder in den letzten Tagen zum Volkssturm einberufen worden - so auch mein Vater. 
Die Wege waren tief verschneit, Bespannung schlecht, da die besten Pferde an der Front. Der Treck riß auseinander, der Teil mit Bulldog (Gabain) und stärkerer Bespannung kam durch bis Kölpin/Juchow, der andere Teil blieb nach einigen Km stecken, kehrte um und wollte es am nächsten Tag nochmal versuchen. Wir fuhren nicht in das Dorf zurück, sondern kamen bei Fritz Steffen (Abbau) unter. Der 2. Versuch scheiterte daran, dass die Russen schon in Steinforth waren. In der Nacht zum 1.2.45 kamen die ersten Russen ins Dorf. Bauer Otto Mieske, Ernst Steffen und ich (Lehrer Lippert) fuhren nochmals ins Dorf, um etwas zu holen, wurden von den Russen geschnappt und auf den Gutshof zum Verhör gebracht, dabei büßten wir unsere Uhren ein. Dann hörten wir Schießerei aus Richtung Labenz Mühle, es kamen deutsche Soldaten aus Neustettin, die Russen ließen uns abfahren. Der alte Hermann Speckmann war seit dem Tage verschwunden, wahrscheinlich verschleppt und getötet. Die Russen verließen das Dorf, es wurde von rund 50 deutschen Soldaten besetzt.
Auf Anraten der deutschen Kommandantur Neustettin verließen wir am 5.2.45 Dieck mit den Familien Steffen, Mieske, Steltner, Noeske, Buchholz und wir mit 22 Personen auf 5 Fuhrwerken in Richtung Gellin/Mossin. In Mossin Übernachtung im Massenquartier, am nächsten Tag weiter über Streitzig, Persanzig nach Storkow zu Verwandten von Steffens; in Storkow lag noch ein Ostpreußentreck. Vielen Dieckern ist es gelungen, noch einen Weg nach Westen zu finden, uns aber blieb diese Möglichkeit versperrt, da der Russe am 28.2.45 Storkow besetzte.
In Dieck blieb nur ein altes Ehepaar (wer?), beide über 80, zurück.
Schicksale/Verluste: Hermann Speckmann - ungeklärt, Bauer Paul Oldenburg in Ristow/Belgard erschossen, Frau Mieske in der Schäferei bei Eschenriege erschossen, ihr Mann Otto Mieske und Posthalter Fritz Buchholz wurden nach Danzig verschleppt; O. M. dort verstorben, F. B. kam nach Westen.
Mit der Besetzung Storkows durch die Russen wechselten sich täglich Plünderungen, Vergewaltigungen, Erschießungsandrohungen und Vertreibungen ab. Der Administrator verzichtet nun darauf, die geschilderten Abscheulichkeiten, vor allem Vergewaltigungen, hier im Einzelnen aufzuführen. Die Russen trieben uns vom Hof in einen kleinen Raum eines Tagelöhnerhauses und sagten uns, dass wir erschossen werden. Am nächsten Tag Vertreibung in ein großes Russenlager im Repliner Wald, nahe Klein Dallenthin und dann hieß es: Nach Hause! Weitere Stationen: Ein Abbau bei Dallenthin, wo schon viele andere Schicksalsgenossen aus anderen Orten waren - Plünderungen, Vergewaltigungen - weiter zum Bahnhof, eine Nacht dort > die reinste Hölle > Frau Steffen nahm sich dort das Leben.
In Neustettin angekommen, alle in Keuns Hotel gebracht, auch die in Neustettin verbliebenen Einwohner; es herrschten unbeschreibliche Zustände, kein Licht, kein Wasser, überall Kot, dazwischen tobten betrunkene Russen herum.
Die Stadt war wenig zerstört, nur einige Häuser am Südende. In der Preußischen Straße brachen Brände aus, von den Russen angelegt. Als immer neue Flüchtlingen kamen, sollten wir in unsere Dörfer zurück.
Am 8.3.45 verließen wir, meine Familie, Ernst Steffen und Familie Nimz aus Storkow, Neustettin und kamen bis Thurow, dort Übernachtung im Tagelöhnerhaus von Löffler.
Am 9.3.45 kamen wir auf verschneitem Wege nach Dieck. Hier waren die Russen Tage vorher abgezogen. Im Hause wüste Unordnung. Alle Bücher aus Wohnung und Schule geworfen, lagen im Hof in Schnee und Dreck, Mobiliar zertrümmert usw. Das Rindvieh war abtransportiert, aber einige Kühe waren entlaufen und trieben sich in der Nähe des Dorfes herum. Wir haben über 20 Stück eingefangen und in die Ställe gebracht. Bauer Drews war vor uns aus Kölpin zurückgekehrt. In den nächsten Wochen trafen aus der Nähe von Greifenberg Glasenapps, Redmers, Buses und Kasulkes in Dieck ein. 
Am 9.5.45 kam auch Bürgermeister Steltner von Rügen zurück und Frau Mausolf aus Stralsund.
Die Russen setzten mich als Bürgermeister ein. Ich mußte jeden Sonnabend zu Fuß nach Neustettin zum Woid (poln. Amtsvorsteher), um Befehle entgegenzunehmen. Täglich weiterhin Plünderungen durch Russen und Polen, alles was gefiel, wurde mitgenommen. Es wurde etwas besser, als ein russisches Kommando aufs Gut kam zur Bewachung von 250 deutschen Gefangenen, die aus dem Lager Stargard kamen und die Ernte einbringen sollten. Männer, Frauen und Mädchen mußten arbeiten und erhielten Beköstigung. Meine Frau und Frau Hanert mußten jeden 2. Tag Brot backen, dabei blieb jedes Mal ein Brot für uns übrig, auch Mehl zur Suppe.
Rückblende: Am 9.4.45 war ich in Neustettin beim Starosten, um die Erlaubnis zum Kornmahlen zu holen, wurde aber auf der Straße von poln. Miliz verhaftet, trotz Ausweis als Bürgermeister. Es folgen für Fritz Lippert Verhöre, Mißhandlungen, Gefängnisaufenthalte und eine Odyssee von Orten mit Zwangsarbeit, die ihn über Schneidemühl, Bahrenbusch, Ratzebuhr, Flederborn, Jastrow, Betkenhammer, Plietnitz, Kranska, Borkendorf, nach Schneidemühl und Jastrow führten. Am 19.4.45 ging ein Kohlenzug (offene Loren) von Jastrow nach Neustettin, auf dem ich mit dem Postboten Krause aus Wulfflatzke und Behnke aus Labenz saß; in Lottin sind wir abgesprungen und übers Feld nach Wulfflatzke und Dieck gelaufen. Die Freude meiner Frau war groß, als ich heimkam, denn sie hatte keine Ahnung, wo ich in der Zwischenzeit (10 Tage) war.
Im Haus war ein russischer Kapitän einquartiert, ein freundlicher Mann, eine rühmliche Ausnahme.
Inzwischen hatte sich zwischen Russen und Polen eine gewisse Feindschaft entwickelt. Die Russen transportierten alles nach Osten ab, der Pole sollte nur die Erde behalten, sagte der russische Kommandant, der im Gutshaus residierte.
Nach dem Potsdamer Abkommen wurden die Polen immer dreister und riefen uns zu: Über Oder! Wer irgendwie konnte, verließ die Heimat. Ein polnischer Straßenaufseher sagte zu mir: Herr Lährer fort, letzten beißen Hunde, kommen alle in Lager.
Am 17.9.45 gingen wir mit einem Transport von Neustettin nach Westen ab. 14 Tage später sind dann auch die anderen gefolgt. 3 Familien, Buchholz, Horn und Drews, wurden von den Polen zurückgehalten; diese sind erst 1947 ausgewiesen worden und haben lange bei den Polen arbeiten müssen."
Im Weiteren folgt der Transport in und auf offenen Güterwagen nach Westen, der nach dem gleichen Muster ablief, wie ich es in "Meinen Erinnerungen an Dieck" beschrieben habe. Auch wir, meine Mutter, 3 Geschwister und ich sind im August 1947 von Wulfflatzke aus in den Westen, wo unser Vater schon war, ausgereist - wir mußten nicht, wir hätten auch bleiben können, so wie Jürgen Werner, der heute noch in Wulfflatzke wohnt.
Dieser Bericht über "Flucht und Vertreibung" sollte eigentlich der einzige auf dieser Homepage bleiben, aber zum Vergleich ist ein weiterer Bericht auf der Thurower Seite in Kurzform niedergeschrieben.


Anmerkung des Administrators zu vorstehendem Bericht:
Im Nachhinein muß ich sagen, dass wir in der Zeit der Entbehrungen und Angst (Ende Januar 1945 bis 20. September 1947) immer einen Schutzengel bei uns hatten und teilweise auch mit verständnisvollen Russen und hilfsbereiten, ja sogar netten Polen*) zu tun hatten; mit Kühehüten, Holzsägen und Erntehilfe haben wir uns über Wasser halten können und sind nicht verhungert - alles in allem war es eine schlechte und eine gute Lebenserfahrung, die man so schnell nicht vergißt, gerade in der heutigen Zeit des Überflusses.


*) Hier möchte ich vor allen das Ehepaar Pawlotta (Hof von Ewald) nennen, bei denen ich Kühe gehütet habe und schon fast zur Familie gehörte, ich sollte dableiben und zur Schule gehen. Am Tag der Abreise kam noch Pan Pawlotta in unsere Wohnung, brachte uns etwas zum Essen, gab meiner Mutter noch ein paar Zloty und verabschiedete sich bei uns mit Tränen in den Augen - eine Geste, die ich nicht vergessen werde.
Nicht nur diese Begebenheit, sondern auch die Liebe zur alten Heimat haben uns, meine Frau und mich dazu bewogen, seit 1988 jedes Jahr dorthin zu fahren, wo ich geboren wurde. Wir haben mehrere Freundschaften zu polnischen Familien und sind gern gesehene Gäste.  KW


Vortrag über Dieck und Dziki
  


Plakat und Programm zum Vortrag über Dieck/Dziki
  


Dieck/Dziki nach 1945


 
Kartographie von Dieck/Dziki aus der Zeit von 1960/70; den Neubau Richtung Steinforth gibt es noch nicht;
das Anwesen von Rüngers und die Dorfschmiede sind noch verzeichnet, die Kirche fehlt aber schon, sie wurde
1959 zerstört und abgebrochen. 


Keine Deutschen mehr in Dieck/Dziki
Mit dem 6. August 1947 sind die letzten deutschen Bewohner von Dieck nach Neustettin/Szczecinek zum Sammeltransport gefahren worden - es waren die Familien Buchholz, Drews und Horn - gefahren wurden nur die älteren, die jüngeren mußten zu Fuß gehen. "Es wurde für die verbliebenen drei Familien immer enger, weil immer mehr polnische Familien nach Dieck kamen", so die Erinnerung von Karin Krüger, geb. Buchholz.
Alle Häuser, soweit sie nicht zerstört waren, wurden durch Polen besetzt; alle Abbauten, bis auf den von Otto Mieske, existieren nicht mehr, die schöne Fachwerkkirche wurde zerstört, das Gutshaus wurde zunächst russische Kommandantur und später Hotel, die Schule wurde zum Wohnhaus. Deutsch wird dennoch in Dziki gesprochen: durch die Familie Jozef Kadlob in der ehem. Schule und durch den Hotelbesitzer Eugenius (Emil) Jankowski, der aus der Ruine (unten) ein schmuckes Hotel gemacht hat.


      
So sah das schmucke Gutshaus 1986 aus - es war eine einzige Ruine - im Frühjahr 1945 war hier eine 
russische
Kommandantur eingerichtet worden - die oder andere haben den Dachstuhl verfeuert; aber Emil hat das ehemalige
Gutshaus zu neuem Leben erweckt und ein Hotel daraus gemacht, in dem sich gut wohnen und "urlauben" lässt. 


       
Aus der Ruine ist ein Hotel geworden, das Halina und Emil Jankowski mit Erfolg betreiben - links die Hofseite,
rechts die Seeseite, von hier hat man den Blick auf den Rehmerowsee, durch den die spätere Plietnitz fließt. 
       
          Renate, Emil und Halina v.l., Treppe zur Hofseite                    Gerd, Thea und Klaus auf der Terrasse zur Seeseite
       
Drei Aquarelle des Malers Siegfried Barz zeigen das Gutshaus v. l. 1930 (Hofseite), 1960 als Ruine (Seeseite) und 2015


Kirche - was von ihr geblieben ist 


        
Alte und jüngere Bäume sowie ein paar Fundamentsteine markieren noch sehr gut den Grunriß der ehemaligen Kirche,
die 1959 noch als Ruine zu sehen war, s. l. Foto aus einem poln. Buch. Reste von Grabanlagen sind jetzt noch vorhanden
und die Steinschwelle ist auch noch vorhanden, sie nur freigelegt werden.
 


Kleiner Nachruf für die Köchin des Gutes Frieda Wendler


     
   v.l. Friedel, Gerda, Minna und Hertha             Kirche in Grumsdorf          Frieda Wendler 100-jährig in einem Pflegeheim  
Frieda Wendler, geb. Hochsprung wurde 1914 in Grumsdorf, Kreis Neustettin geboren und hatte schon in jungen Jahren kein leichtes Leben, sie war aber mutig und hatte heikle Situationen stets gut gemeistert.
Frieda Hochsprung, genannt Friedel, war mehr als drei Jahre bei Charlotte und Waldemar Gabain als Köchin auf dem Gut in Stellung. Die Tochter Renate Garbers, geb. Gabain, beschreibt Friedel als sehr arbeitssam, warmherzig und mutig. Und genau diese Eigenschaften brachten Friedel drei Jahre Gefängnis ein.
Der Fall trug sich folgendermaßen zu:
Bevor Friedel die Stelle als Köchin in Dieck bei Gabains antrat, war sie auf dem Gut der Familie Schröder in Gellen als Köchin angestellt; es war schon Krieg und russische Kriegsgefangene leisteten auf dem Gut Schröder Zwangsarbeit. Eines Tages mußte Friedel mit ansehen, wie kranke russische Kriegsgefangene während des Appells auf dem Hof vor Schwäche kaum stehen konnten. Zitat: "Da nahm der Wachmann den Gewehrkolben und schlug die Männer zu Boden. Der Wachmann kam mittags zum Essen und erzählte ganz stolz von dem Geschehen, darauf sagte ich (Friedel) zu ihm, wie kann man wehrlose  Menschen so schlagen, er solle ihnen lieber Tee und Weißbrot geben, damit sie wieder gesund werden; er sagte darauf: ' Ach, so eine sind Sie!' Ich entgegnete ihm, dass die Russen keinen Krieg wollten und wir auch nicht! Als der Wachmann wieder auf dem Feld war, brachte ich den Kranken Tee, Weißbrot und Milchsuppe in die Baracke. Auf einmal stand der Wachmann vor mir. Er hatte es sofort dem Stab gemeldet und die Sache ging vor Gericht. Ich kam nach Köslin ins Gefängnis und was ich da erlebt habe, war unbeschreiblich grausam - als ich nach drei Jahren entlassen wurde, wog ich nur 47 Kg."
Auf eine Annonce trat Friedel die Stelle bei Gabains in Dieck an und hatte der Gutsherrin sofort gesagt, dass sie im Gefängnis gesessen habe; Frau Gabain bedankte sich für die Ehrlichkeit und es blieb geheim.
Auch hier hatte Friedel wieder ein Herz für die Kriegsgefangenen, die auf dem Gut schwere Arbeit leisten mußten und dann auch noch wenig zu essen bekamen, u. a. Magermilchsuppe - daraufhin ordnete Frau Gabain Vollmilchsuppe an und wurde angezeigt.
In unzähligen Briefen an Renate Garbers berichtet Friedel von weiteren gewagten Zuwendungen zugunsten der notleidenden Kriegsgefangenen, die sowohl sie als auch Charlotte Gabain zu verantworten hatten, obwohl es höchst gefährlich war.
Einschub durch Admin: Vor ca. 5 Jahren sprach ich noch tel. mit Frau Wendler und wollte hauptsächlich von ihr wissen, wer wo in Dieck gewohnt hat? Doch sie konnte mir dazu nichts sagen, da sich ihr Wirkungskreis fast ausschließlich auf das Haus, die Küche, den Garten und den täglichen Gang zum Laden im Gasthaus Kasulke beschränkte. Aber das wußte sie ganz genau: "Mein täglicher Gang zum Einkauf in den Kolonialwaren-Laden Kasulke führte direkt an der Dorfschmiede von Otto Rünger (Großvater von Admin) vorbei; für ein "Schwätzchen" auf dem Hin- und Rückweg nahmen wir uns beide Zeit und ich zeigte ihm dann auch noch, was ich so eingekauft hatte. Einen weiteren Kontakt zu den Dorfbewohnern hatte ich nicht." 
Friedel war drei Jahre als Köchin auf dem Diecker Gut Gabain. Das Personal hatte es gut bei unseren Herrschaften, denn wir hatten auch unsere geregelten Freizeiten, sogar eine Kutsche für Fahrten in die Stadt Neustettin bekamen wir gestellt.
Es nahte der 31. Januar 1945: Flucht! Auch Gabains brachen auf, zunächst bis Juchow; hier gelang es Friedel bis in ihr Heimatdorf Grumsdorf zu gelangen. Hier entschloß man sich auch zur Flucht, diese scheiterte aber und man kehrte wieder nach Grumsdorf zurück.
Erst im Juli 1947 konnte Friedel mit einigen Grumsdorfern im Viehwaggon nach Westen ausreisen; zunächst bis ins Rheinland, dann aber endgültig nach Zepernick bei Berlin, wo Friedel auch heiratete und fortan Wendler hieß. In einem Altenheim verstarb Frieda Wendler 101-jährig Ende Februar 2015. Und wie es das Schicksal so will, verstarb kurze danach auch ihre inniggeliebte Tochter Jutta mit 62 Jahren nach schwerer Krankheit.
Renate Garbers, geb. Gabain war es wichtig, diesen Lebensweg hier zu schildern und zu würdigen, weil Friedel auch ihren Lebensweg begleitet hatte, sowohl in der Kindheit als auch später in den zahllosen Erinnerungsbriefen. KW


Schule


       
Die ehemalige Dorfschule zu Dieck, jetzt Wohnhaus;        Bei meinem ersten Besuch in Dieck 1988 hatte ich nichts
der Eigentümer Jozef Kadlob schaut sich gerade den        Eiligeres zu tun, als mich nach 43 Jahren an die Türe zu 
mächtigen Baum an, der heute nicht mehr existiert.         stellen, durch die ich fast 4 Jahre in den Klassenraum gegan-
Das Foto hat Renate Garbers, geb. Gabain 1984 gem.      gen bin. Der Baum ist weg, sonst war alles unverändert.
 Zur Beruhigung: Der Baum hatte sein Alter erreicht und war schon trocken, die Rinde z. T. abgefallen, s. li. Foto.
Was mit dem Auszug/der Vertreibung von Lehrer Lippert aus der Schule passierte, werde noch recherchiert und
hier niedergeschrieben.
Ich, der Administrator, habe den jetzigen Bewohner, Jozef Kadlob befragt, welche Verwendung die Schule nach dem Auszug von Lehrer Lippert fand? Nach dem Auszug war die Schule zunächst leer, bis ein Russe, Julius Klingbein in die Wohnung einzog. Für 2 - 3 Jahre soll auch eine Lehrerin in der Schule hospitiert haben, ob sie Unterricht erteilt habe, konnte J. K. nicht sagen - er wohnte zu dem Zeitpunkt noch in Groß-Küdde. Die Schulmöbel sollen danach an eine Jugendherberge abgegeben worden sein. Die Schüler, 5 waren es täglich, gingen nach Wulfflatzke in die Schule - dieses konnte ich immer beim Kühehüten 1946/47 beobachten.
Als Jozef Kadlob 1976 das Schulgebäude kaufte und einzog, hat er keine Unterlagen über die Schule gefunden; sie sind, wie oben berichtet, dem ersten Vandalismus zum Opfer gefallen, später wahrscheinlich in Unkenntnis verfeuert worden, weil man den Wert nicht erkannte.  


        
Beide Fotos sind 1970 auf Rüngers ehem. Hof entstanden, als Karin Krüger, geb. Buchholz, 3. v. l., mit ihrem
Mann bei der poln. Familie zu Besuch war. Heute steht da nichts mehr, nur eine Sankuhle, in der Müll abgelagert wird.


"Meine Erinnerungen an Dieck" hat auch der Administrator im Museum hinterlegt.


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