Dieck Seite 2

Dieck/Dziki nach 1945


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Kartographie von Dieck/Dziki aus der Zeit von 1960/70; den Neubau Richtung Steinforth gibt es noch nicht;
das Anwesen von Rüngers und die Dorfschmiede sind noch verzeichnet, die Kirche fehlt aber schon, sie
wurde 1959 zerstört und danach abgebrochen.


Keine Deutschen mehr in Dieck/Dziki
Mit dem 6. August 1947 sind die letzten deutschen Bewohner von Dieck nach Neustettin/Szczecinek zum Sammeltransport gefahren worden - es waren die Familien Buchholz, Drews und Horn - gefahren wurden nur die älteren, die jüngeren mußten zu Fuß gehen. "Es wurde für die verbliebenen drei Familien immer enger, weil immer mehr polnische Familien nach Dieck kamen", so die Erinnerung von Karin Krüger, geb. Buchholz.
Alle Häuser, soweit sie nicht zerstört waren, wurden durch Polen besetzt; alle Abbauten, bis auf den von Otto Mieske, existieren nicht mehr, die schöne Fachwerkkirche wurde zerstört, das Gutshaus wurde zunächst russische Kommandantur und später Hotel, die Schule wurde zum Wohnhaus. Deutsch wird dennoch in Dziki gesprochen: durch die Familie Jozef Kadlob in der ehem. Schule und durch den Hotelbesitzer Eugenius (Emil) Jankowski, der aus der Ruine (unten) ein schmuckes Hotel gemacht hat.


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So sah das schmucke Gutshaus 1986 aus - es war eine einzige Ruine - im Frühjahr 1945 war hier eine
russische Kommandantur eingerichtet worden - die oder andere haben den Dachstuhl verfeuert; aber
Emil hat das ehemalige Gutshaus zu neuem Leben erweckt und ein Hotel daraus gemacht, in dem sich
gut wohnen und "urlauben" lässt.


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Aus der Ruine ist ein Hotel geworden, das Halina und Emil Jankowski mit Erfolg betreiben - links die
Hofseite, rechts die Seeseite, von hier hat man den Blick auf den Rehmerowsee, durch den die spätere
Plietnitz fließt.


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Renate, Emil und Halina v.l., Treppe zur Hofseite Gerd, Thea und Klaus auf der Terrasse zur Seeseite

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Drei Aquarelle des Malers Siegfried Barz zeigen das Gutshaus v. l. 1930 (Hofseite), 1960 als Ruine (Seeseite)
und 2015 wieder zur Hofseite mit dem Rondell


Kirche und Friedhof, was ist von beidem geblieben?


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Alte und jüngere Bäume sowie ein paar Fundamentsteine markieren noch sehr gut den Grunriß der
ehemaligen Kirche, die 1959 noch als Ruine zu sehen war, s. l. Foto aus einem poln. Buch. Reste von
Grabanlagen sind jetzt noch vorhanden und die Steinschwelle zum Kircheneingang ist auch noch da,
sie ist nur überwuchert.




Kleiner Nachruf für die Köchin des Gutes Frieda (Friedel) Wendler


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(Bild Links): v.l. Friedel, Gerda, Minna und Hertha

(Bild Mitte): Kirche in Grumsdorf

(Bild Rechts): Frieda Wendler 100-jährig in einem Pflegeheim


Frieda Wendler, geb. Hochsprung wurde 1914 in Grumsdorf, Kreis Neustettin geboren und hatte schon in jungen Jahren kein leichtes Leben, sie war aber mutig und hatte heikle Situationen stets gut gemeistert.
Frieda Hochsprung, genannt Friedel, war mehr als drei Jahre bei Charlotte und Waldemar Gabain als Köchin auf dem Gut in Stellung. Die Tochter Renate Garbers, geb. Gabain, beschreibt Friedel als sehr arbeitssam, warmherzig und mutig. Und genau diese Eigenschaften brachten Friedel drei Jahre Gefängnis ein.
Der Fall trug sich folgendermaßen zu:
Bevor Friedel die Stelle als Köchin in Dieck bei Gabains antrat, war sie auf dem Gut der Familie Schröder in Gellen als Köchin angestellt; es war schon Krieg und russische Kriegsgefangene leisteten auf dem Gut Schröder Zwangsarbeit. Eines Tages mußte Friedel mit ansehen, wie kranke russische Kriegsgefangene während des Appells auf dem Hof vor Schwäche kaum stehen konnten. Zitat: "Da nahm der Wachmann den Gewehrkolben und schlug die Männer zu Boden. Der Wachmann kam mittags zum Essen und erzählte ganz stolz von dem Geschehen, darauf sagte ich (Friedel) zu ihm, wie kann man wehrlose Menschen so schlagen, er solle ihnen lieber Tee und Weißbrot geben, damit sie wieder gesund werden; er sagte darauf: ' Ach, so eine sind Sie!' Ich entgegnete ihm, dass die Russen keinen Krieg wollten und wir auch nicht! Als der Wachmann wieder auf dem Feld war, brachte ich den Kranken Tee, Weißbrot und Milchsuppe in die Baracke. Auf einmal stand der Wachmann vor mir. Er hatte es sofort dem Stab gemeldet und die Sache ging vor Gericht. Ich kam nach Köslin ins Gefängnis und was ich da erlebt habe, war unbeschreiblich grausam - als ich nach drei Jahren entlassen wurde, wog ich nur 47 Kg."
Auf eine Annonce trat Friedel die Stelle bei Gabains in Dieck an und hatte der Gutsherrin sofort gesagt, dass sie im Gefängnis gesessen habe; Frau Gabain bedankte sich für die Ehrlichkeit und es blieb geheim.
Auch hier hatte Friedel wieder ein Herz für die Kriegsgefangenen, die auf dem Gut schwere Arbeit leisten mußten und dann auch noch wenig zu essen bekamen, u. a. Magermilchsuppe - daraufhin ordnete Frau Gabain Vollmilchsuppe an und wurde angezeigt.
In unzähligen Briefen an Renate Garbers berichtet Friedel von weiteren gewagten Zuwendungen zugunsten der notleidenden Kriegsgefangenen, die sowohl sie als auch Charlotte Gabain zu verantworten hatten, obwohl es höchst gefährlich war.
Als Gabains am 31. Januar 1945 "treckten", ging Friedel nicht mit ihren Herrschaften, sondern nach Grumsdorf bei Wurchow, ihrem Heimatort, um von dort aus mit ihrer Familie die Flucht nach Westen zu versuchen. Die Flucht gelang nicht. Erst im Juli 1947 kam Friedel mit einem Transport von Neustettin in die Nähe von Berlin.
Der Spruch unter der schönen Fachwerkkirche:
Heimatlicher Glockenklang, führte dich dein Lebenlang.
Gott hielt dich in seiner Hut, stärkte dir Herz, Sinn und Mut.
Er leite heim aus Feindesland, die Söhne dir in's freie Pommerland.


Vortrag über Dieck und Dziki
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Für den Vortrag war alles bestens vorbereitet - die Fotos aus dem Saal des Gemeindehauses zeigen es:
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(Bild Links): Blick in den Vortragssaal, im Hintergrund links die Bürgermeisterin

(Bild Rechts): Kamil Kruszewski beim Vortrag


Über 25 Bürger des Dorfes waren dem Plakataufruf gefolgt und sind in das Dorfhaus gekommen, um den zweigeteilten Vortrag zu hören.